Warum Taucher so viel checken und der Buddy Check so wichtig ist.

Auch wenn es so mancher Taucher nicht glauben mag: wenn wir tauchen befinden wir uns in einer gefährlichen Welt. Dabei möchte ich nicht so weit gehen, dass Tauchen grundsätzlich gefährlich ist, aber es gibt einiges zu beachten und zu tun, damit man sich als Taucher keiner Gefahr aussetzt.

Fast jeder Taucher lernt in seiner Grundausbildung (Open Water Diver o.ä.) und viele auch noch in den weiterführenden Lehrgängen, dass der Buddy Check nicht nur wichtig ist, sondern auch zu jedem Tauchgang dazu gehört … und zwar vor dem Tauchgang. Jenen Tauchern, die den Buddy Check schon in der Grundausbildung zum Taucher nicht gelernt haben, ist dringend eine neue Schule zu empfehlen. Denn wer weiß, was die noch alles vergessen haben.
Kein Tauchtag gleicht dem anderen. Und ohne nun philosophisch zu werden: die Vorgeschichte eines jeden Tauchgangs ist anders. Der eine hat Stress zu Hause oder schlecht geschlafen, der andere war zum Tauchen verabredet und ist zu spät dran. Sei es wie es ist, man kann schon mal, auch als Berufstaucher neben der Spur laufen. Wenn man seinen Buddy schon lange Jahre kennt, sieht man ihm oder ihr das vielleicht auch an, aber wissen kann man das nie. Nun steht er da, der Buddy, hat noch 1000 andere Dinge im Kopf und baut sein Equipment zusammen. Egal ob Anfänger, Master Diver oder Tauchlehrer: jedem von uns ist schon ein Fehler oder eine Unachtsamkeit dabei passiert. Ausser denen, die es nicht zugeben! Und für diesen Fall ist der Buddy Check.

Hier meine Buddy Check Liste:

  • Schon vor dem Zusammenbau des Gerätes rede ich mit meinem Buddy, egal, ob ich ihn oder sie schon kenne oder nicht. Man bekommt so schon relativ einfach einen Eindruck, wie der Buddy gerade so drauf ist.
  • Während des Zusammenbaus kann man schon das eine oder andere Equipment des Buddys in Augenschein nehmen … vielleicht kurz nach dem Zusammenbau schon mal gemeinsam ansehen. Denn gerade auf Tauchbooten muss es oft dann schnell gehen, wenn man den Tauchplatz erreicht hat.
  • Auch unterfahrene Taucher, die mit einem erfahrenen unterwegs sind, sollten Fragen stellen: “Wie funktioniert das Bleisystem?” “Wie funktioniert der Inflator?” … Das wird als Interesse ausgelegt.
  • Viele Taucher mögen es nicht, wenn man ihnen an das Flaschenventil faßt (ich auch nicht). Daher fragt doch einfach, ob die Flasche aufgedreht ist oder ob ihr mal gucken sollt.
  • Macht man einen Bootstauchgang oder ist es ein Fussmarsch bis zum Tauchplatz checkt mit Eurem Buddy zusammen, ob Ihr auch alles dabei habt. Auch die erfahrensten Tauchen sind schon ohne Blei zum Tauchplatz gefahren.
  • Wenn ihr schon gesehen habt, daß Euer Buddy seine beiden Automaten getestet habt, braucht ihr daran nicht mehr rumfummeln.

Wenn man sich alle diese Punkte schon vor dem Tauchen angesehen hat, braucht man in den Sekunden vor dem Tauchgang das alles nicht mehr zu machen. Ich frage dann meist:
Luft ? Blei ? Alles fest ? Na dann los !

Im Wasser, an der Wasseroberfläche checkt dann jeder für sich noch mal die Systeme und zeigt dem Buddy, daß alles OK ist. Dann kann es los gehen.

Und für die, die es nach Lehrbuch machen wollen, hier die Checkliste:

  • Maske vorhanden ?
  • Flasche aufgedreht ?
  • Jacket: Brustgurt, Bauchgurt, Funktion Inflator und Schnellablässe, Sitz des Jackets, Blei
  • Funktion Oktopus
  • Funktion Hauptautomat (2.te Stufe)
  • Luftdruck prüfen
  • Anzug geschlossen (besonders bei Trockentauchern)
  • Flossen, ev. Handschuhe und Kopfhaube
  • … und bei einem Buddy, den man nicht kennt: Blick auf den Computer (wenn da “Error”, “No Dive” oder so steht, lasst Euch das erklären). Im Zweifel den Tauchlehrer der Tauchbasis informieren.
  • bei Nachttauchgängen zusätzlich Funktion der Lampe

Aber wie schon geschrieben: für viele dieser Punkte reicht ein Blick, wenn man sich selbst und der Buddy sich fertig macht. Dafür muss man sich nicht vor versammlter Tauchergemeinde gegenüber stehen wie bei einem Boxkampf und sich gegenseitig befummeln. Wer das allerdings gerne mag, sollte es tun (mit einem Augenzwinkern)

… oder ein Blick sagt mehr als 1000 Worte.

Es ist soweit, beim Anziehen, eventuell auf dem Boot und an der Wasseroberfläche, kurz bevor es ins tiefe Nass ging, haben wir uns vergewissert, dass es uns gegenseitig gut geht. Dann kann es ja los gehen. Während uns die Flüssigkeit langsam komplett umschließt, wird die Abhängigkeit voneinander noch intensiver. Denn nun gilt es. Beide wollen entspannt tauchen. Doch sind es auch beide ?

Gerne wird, wenn man es richtig geplant hat, die erste gemeinsame Tiefe erreicht, gestoppt und noch einmal ein OK-Zeichen eingefordert. Und obwohl jeder in der Gruppe, ja auch der eigene Buddy das OK-Zeichen gibt, kann etwas nicht stimmen. Wie oft habe ich schon gesehen, dass mit zusammengepressten Zähnen die nach hinten-unten entgleitende Flasche versucht wurde zu halten, während das OK-Zeichen gegeben wurde, oder der Buddy es gab, während er durch eine vollständig gefüllte Maske blickte. Für viele Taucher ist es der Gruppenzwang, das OK-Zeichen zu geben, obwohl es nicht den wahren Zustand beschreibt. Es wird gerne als Schwäche empfunden, ein Nicht-OK zu zeigen. Denn schließlich will man genau so gut sein, wie die anderen Taucher. Und dann wäre ein Nicht-OK das falsche Signal.

Fragt man jene, warum sie OK zeigten, obwohl es nicht OK war, bekommt man gerne zur Antwort, dass sie vor hatten das Problem selbst zu lösen. Aber hat man dafür nicht den Buddy ?

Ich persönlich schaue während des Tauchgangs gerne nach meinem Buddy. Dabei sagt ein Blick in seine Augen viel mehr über seinen Zustand aus, als die permanente Einforderung des OK-Zeichens. Auch ein Blick nach seiner Ausrüstung, ohne ihn/sie zu befummeln, sollte immer drin sein. Meist weiß ich seinen Flaschen-Füllgrad schon, ohne ihn/sie gefragt zu haben.
Diese kleinen, ungemerkten Aufmerksamkeiten sorgen für das nötige Vertrauen, ohne aufdringlich zu sein. Natürlich ist das kein Appell, das OK-Zeichen nicht von Zeit zu Zeit abzufragen, denn es gibt auch Dinge, die man nicht von aussen sieht. Aber es muss nicht alle 3 Minuten sein, wenn man nach seinem Buddy schaut.

Der Blick in die Augen ist mir besonders wichtig. Ängste, Stress, Aufregung, Probleme und Unwohlsein spiegeln sich hier genauso wieder, wie Entspannung und ein gutes Gefühl. Und gerade, wenn es kein normaler Tauchgang wird, sondern Tiefe, Wrack, Nacht oder Höhle bedeutet, sollte es dem Buddy gut gehen.

Ich persönlich denke, dass es eine Stärke ist, ein Problem anzuzeigen, und keine Schwäche.
Aber ich verlasse mich auch auf meine Buddys, wie sie auf mich.
Und wenn ich ein Problem habe,  das ich nicht anzeige, kann ich kein guter Buddy für meinen Buddy sein.

Daher achtet auf Euch auch unter Wasser. Denn ein Blick sagt mehr als 1000 Worte.